Geschichte des Instituts für Völkerrecht

Das Institut für Völkerrecht an der Universität Bonn blickt auf eine über einhundertjährige Geschichte zurück. Das Institut ist hervorgegangen aus der im Jahre 1905 von Professor Philipp Zorn gegründeten und durch Ministererlaß vom 4. Januar 1906 genehmigten "Staatsrechtlichen Gesellschaft" und dem im Jahre 1911 von Professor Ernst Zitelmann errichteten "Institut für Internationales Privatrecht".

Nach Überführung der Bücher der "Staatsrechtlichen Gesellschaft" in das allgemeine juristische Seminar verschwand diese durch Ministererlaß vom 12. Juli 1915. Nach der Berufung von Professor Erich Kaufmann am 1. Oktober 1920 bewirkte dieser zusammen mit Professor Rudolf Smend die Begründung eines selbständigen unter ihrer gemeinsamen Leitung stehenden "Seminars für wissenschaftliche Politik". In den Nachkriegsjahren agierte Professor Kaufmann neben seiner Lehrtätigkeit als Rechtsberater des Auswärtigen Amtes und Vertreter des Reichs vor dem Ständigen Internationalen Gerichtshof in Den Haag.

Nachdem Professor Smend im Frühjahr 1922 einem Ruf nach Berlin gefolgt war, trat Professor Carl Schmitt dessen Nachfolge als Co-Direktor des "Seminars für wissenschaftliche Politik" an.

Durch Ministererlaß vom 25. Februar 1924 wurden das "Institut für Internationales Privatrecht" und das "Seminar für Wissenschaftliche Politik" vereinigt, und am 29. Juli 1924 wurde dem neuen Institut nach einigen Schwankungen über die richtige Benennung der Name "Institut für Internationales Recht und Politik" verliehen.  Die Bibliotheken der beiden älteren Einrichtungen wurden vereinigt, neu geordnet und katalogisiert, wofür der Staat einmalig 300 Mark bewilligte. Ferner überwies die "Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft" dem Institut wertvolle ausländische Bücher und vervollständigte seine ausländischen Zeitschriften. Bis zu ihrem Fortgang im Jahr 1928 stand das neue Institut unter der gemeinsamen Leitung der Professoren Erich Kaufmann und Carl Schmitt.

Professor Richard Thoma wurde mit Wirkung zum 1. Oktober 1928 zum Direktor des Instituts ernannt, das er durch die Kriegswirren und über seine Emeritierung 1945 hinaus bis zum Jahr 1950 leitete.

Professor Thoma folgte von 1951 bis 1958 Professor Walter Schätzel, der in den 1950er Jahren in mehreren Schiedsgerichtsverfahren als Parteivertreter und Gutachter fungierte. Mit Übersetzungen der Hauptwerke von Grotius, Vitoria und Vattel machte Schätzel die "Klassiker des Völkerrechts" einer breiten Leserschaft zugänglich. Er wurde assoziiertes Mitglied des Institut de Droit International (1950) und Mitglied des Kuratoriums der Haager Akademie für Internationales Recht (1958) sowie Vizepräsident der Association européenne pour l'étude du Problème des réfugiés.

Im Jahr 1958 übernahm Professor Ulrich Scheuner die Leitung des Instituts, die er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1972 innehatte. Während Scheuners Direktorenschaft wurde das Institut durch Ministererlass vom 9. Dezember 1959 mit Wirkung zum 1. Januar 1960 in "Institut für Völkerrecht" umbenannt, den Namen, den es bis heute trägt. Scheuner war in den 1960er Jahren einer der wichtigsten völkerrechtlichen Berater der Bundesregierung und Völkerrechtsberater von Bundeskanzler Adenauer. In seinem wissenschaftlichen Werk befasste er sich u.a. mit der "Kollektiven Sicherung des Friedens". Scheuner gehörte zum Beraterkreis sowohl des Wörterbuchs des Völkerrechts als auch später der Encyclopedia of Public International Law.

Von 1972 bis 1995 und damit fast ein Vierteljahrhundert stand das Institut unter der Leitung von Professor Christian Tomuschat. Neben seinem vielfältigen wissenschaftlichen Wirken agierte Professor Tomuschat als völkerrechtlicher Berater der Bundesregierung. Während seiner Bonner Zeit war er u.a. mehrmals Mitglied der deutschen Delegation bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen sowie Mitglied des Menschenrechts-ausschusses nach dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte und der Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen, deren Vorsitz der von 1992 bis 1993 innehatte.

Im Jahr 1996 übernahm Professor Rudolf Dolzer die Leitung des Instituts, die er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2009 innehatte. Professor Dolzer beriet ebenfalls die Bundesregierung in völkerrechtlichen Fragen und agierte als Prozeßvertreter und Gutachter vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag und vor zahlreichen Schiedsgerichten, vor allem im Bereich des Investitionsschutzes.

Seit 2009 agiert Professor Matthias Herdegen als geschäftsführender Direktor des Instituts. Seit seiner Berufung an die Universität Bonn am 1. Oktober 2011 fungiert Professor Stefan Talmon als Co-Direktor des Instituts.

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