Die Staatsaufgabe der Aufklärung von Katastrophenursachen am Beispiel der Ahrtalflut
Workshop – 23. Oktober 2026
Wie können komplexe Katastrophen und Großschadensereignisse wie die Ahrtalflut 2021 aufgeklärt werden, wenn Strafverfahren, parlamentarische Untersuchungsausschüsse und Staatshaftung an ihre Grenzen stoßen?
Die Aufarbeitung der Ahrtalflut dient als Ausgangspunkt für die Frage nach zukünftigen Aufklärungs- und Präventionsmechanismen, die auch unabhängig von rechtlicher, retrospektiver Verantwortungszuschreibung zu bestimmten Verantwortungsträgern wirken könnten. Im Mittelpunkt steht die Idee einer unabhängigen Untersuchungsstelle für komplexe Großschadensereignisse. Eine solche Institution fehlt bisher in Deutschland, ist im Ausland jedoch teilweise etabliert. Als Beispiel kann etwa das Dutch Safety Board dienen. Die Chancen und Grenzen eines solchen Ansatzes, seine mögliche rechtliche und institutionelle Ausgestaltung sowie das Verhältnis zu Strafverfahren, parlamentarischen Untersuchungsausschüssen und anderen bestehenden Aufklärungsmechanismen sollen diskutiert werden.
Der Workshop verfolgt dabei einen inter- und transdisziplinären Ansatz. Die Vorträge umfassen unter anderem rechts-, politik- und sozialwissenschaftliche sowie naturwissenschaftliche Perspektiven.
Anmeldung per E-Mail an: katastrophenursachen@uni-bonn.de (Teilnehmerzahl begrenzt)
Ort: IMPULSE - House for Intellectual Innovation and Creativity (Adenauerallee 131, 53113 Bonn)
Ablaufplan
| 09:30 - 10:00 |
Begrüßung & Einführung: Ursachen für das weitgehende Leerlaufen rechtlicher Verantwortungsmechanismen nach Großkatastrophen Dr. Thomas Grosse-Wilde, Universität Bonn/Bielefeld |
| 10:00 - 10:30 |
Was der Staat Katastrophenopfern schuldet – eine außergerichtliche Unfalluntersuchungsstelle Prof. Dr. Wolfgang Seibel, Universität Konstanz |
| 10:30 - 11:00 |
Unterkomplexe strafverfahrensrechtliche Verantwortungsattribution bei komplexen Sachverhalten und ausländische Vorbilder einer außergerichtlichen Aufarbeitung von Großschadensereignissen Prof.‘in Dr. Charlotte Schmitt-Leonardy, Universität Bielefeld |
| 11:30 - 12:00 |
Das Versagen des Katastrophenschutzes im Landkreis Ahrweiler bei der Ahrtalflut Ltd. Ministerialrat a.D. Gerd Gräff, Mainz |
| 12:00 - 12:30 |
Die Arbeit der Bundesstelle für Fluguntersuchung (BFU) Corinna Bleienheuft, Syndikusrechtsanwältin, BFU Braunschweig |
| 13:30 - 14:30 |
Die Aufklärungsarbeit parlamentarischer Untersuchungsausschüsse Rechtsanwalt Stephan Wefelscheid, MdL a.D. Koblenz; Dr. Leon Lohrmann, Wissenschaftlicher Referent im Untersuchungsausschuss V (Terroranschlag vom 23.08.2024) des Landtages NRW, Düsseldorf |
| 14:30 - 15:00 |
Die Rolle des Staatshaftungsrechts bei der Aufklärung von Katastrophen – dargestellt am Beispiel der Hochwasserschäden Prof. Dr. Shirvani, Universität Bonn |
| 15:30 - 16:00 |
Naturkatastrophen als Gewaltzeit. Liminale- und Ausnahmezustände im 20. und 21. Jahrhundert Prof. Dr. Hannig, Technische Universität Darmstadt |
| 16:00 - 16:30 |
Katastrophenvorsorge und -management und die Aufklärung von Großkatastrophen Prof. Lothar Schrott, Universität Bonn |
| 16:30 - 17:00 |
Gemeinschaftliche Katastrophenbewältigung aus kulturgeographischer Sicht und die Ahrtal-Umfrage des SOZIAHR-Projekts Susanne Bell, Universität Bonn |
| 17:00 - 17:30 |
Ursachen für die ungewöhnlich hohe Zahl an Todesopfern während der Ahrtalflutkatastrophe 2021 PD Dr. Heidi Kreibich, Leiterin der Sektion Hydrologie, GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung, Potsdam |
(Projekt i.R.d. TRA4 - Individuals and Societies)